27 beastie books, vol. 3
Mit einem Vorwort und einem Essay von Peter Benchley
Neuübersetzt von Vanessa Wieser
309 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen

€ 23.90

ISBN 978-3-85286-236-1

Peter Benchley

Der weiße Hai

Drei Männer im Kampf gegen den weißen Hai. Der Bestseller, der die Filmgeschichte verändern sollte – zum 40. Jubiläum endlich wieder als Roman erhältlich. War der Film schon eine Sensation – ist der Roman noch viel besser.

Ein Wundertier von sieben Meter Länge kreuzt wie ein U-Boot vor der schönen friedlichen Küste von Long Island: ein weißer Hai, der die Einwohner des kleinen Touristenbadeortes Amity in Furcht und Schrecken versetzt. Man bekommt den Riesenfisch nicht zu sehen, aber sein erstes Opfer wird zum grausigen Beweis für seine Existenz.

Polizeichef Martin Brody erkennt als Einziger die Gefahr, doch er muss dem Druck der ansässigen Geschäftsleute und des Bürgermeisters nachgeben und den Unglücksfall verschweigen. Der Leichtsinn bleibt nicht ohne Folgen … Währenddessen verguckt sich Brodys Ehefrau in den smarten Meeresbiologen Matt Hooper, und Brody hat bald an allen Fronten zu kämpfen, zuletzt Auge um Auge mit dem Hai.

Im Frühjahr 2014 feiert der Roman, dessen Verfilmung Filmgeschichte geschrieben hat, sein 40-jähriges Jubiläum.

Gruß an den Leser von P. Benchley:
Sie haben „Der weiße Hai“ noch nie gelesen? Sie kennen nur den Film? Ich sehe, wie Sie die Stirn runzeln und denken: Romanze? Mafia? Wovon spricht der Typ?
Bitte, lesen Sie das Buch und entdecken Sie es selbst.

Das Land war fast so dunkel wie das Wasser, denn die Nacht war mondlos. Alles, was das Meer von der Küste trennte, war ein langer, gerader Strand – so weiß, dass er schimmerte. Aus einem Haus hinter den grasfleckigen Dünen warfen Lichter einen gelben Schein auf den Sand.
Die Haustür öffnete sich, und ein Mann und eine Frau traten auf die hölzerne Veranda hinaus. Einen Augenblick blieben sie stehen und sahen auf das Meer, dann umarmten sie sich kurz und sprangen die paar Stufen hinunter in den Sand. Der Mann war betrunken, er stolperte auf der un-tersten Stufe. Die Frau nahm ihn lachend an der Hand, und gemeinsam liefen sie zum Strand.
»Erst mal schwimmen«, sagte die Frau, »damit du einen klaren Kopf bekommst.«
»Mein Kopf ist unwichtig«, entgegnete der Mann. Lachend fiel er rück-wärts in den Sand, zog die Frau mit sich. Sie fummelten an ihren Kleidern herum, umarmten sich und warfen sich mit drängender Gier auf dem kalten Sand hin und her.
Danach legte der Mann sich zurück und schloss die Augen. Die Frau sah ihn lächelnd an: »Na, wie wär’s jetzt mit einem kühlen Bad?«, fragte sie.
»Geh du nur, ich warte hier auf dich.«
Die Frau stand auf und lief zum Wasser, bis ihr die sanfte Brandung über die Knöchel spülte. Das Wasser war kälter als die Nachtluft, denn es war erst Mitte Juni. Sie rief zurück: »Willst du wirklich nicht mitkommen?« Aber von dem schlafenden Mann kam keine Antwort.
Sie trat ein paar Schritte zurück und rannte dann ins Wasser. Erst machte sie ausholende, grazile Schritte, dann aber schlug ihr eine kleine Welle gegen das Knie. Sie schwankte, bekam wieder festen Tritt und warf sich über die nächste Welle. Das Wasser ging ihr erst bis zu den Hüften, also blieb sie stehen, schüttelte sich das Haar aus den Augen und ging weiter, bis das Wasser ihre Schultern bedeckte. Dann schwamm sie los – mit den ruckartigen, den Kopf starr übers Wasser haltenden Bewegungen einer Ungeübten.
Hundert Meter von der Küste entfernt spürte der Fisch eine Verän-derung im Rhythmus des Wassers. Er sah die Frau nicht, konnte sie auch noch nicht riechen. Entlang seines Körper lief eine Reihe dünner Kanäle, die mit Schleim gefüllt und mit Nervenenden übersät waren – diese Nerven nahmen jetzt Schwingungen wahr und signalisierten sie dem Hirn. Der Fisch nahm zur Küste hin Kurs auf.
Die Frau schwamm weiter vom Strand weg, pausierte ab und zu, um ihre Position an den Lichtern des Hauses auszumachen. Die Strömung war so träge, dass sie sich nicht allzu weit vom Strand entfernt hatte. Sie wurde müde, ruhte sich einen Augenblick aus, trat Wasser und machte sich dann auf den Weg zurück zur Küste.
Die Schwingungen waren jetzt stärker, und der Fisch erkannte Beute. Die Bewegungen seines Schwanzes wurden schneller und trieben den Riesenleib mit einer Geschwindigkeit vorwärts, die die winzigen phosphoreszierenden Tiere im Wasser aufwühlte, sie zum Glühen brachte und einen Funkenschleier über den Fisch zog.
Der Fisch rückte dicht an die Frau heran und preschte vier Meter seitlich und zwei Meter unter der Oberfläche an ihr vorbei. Sie spürte nur eine Druckwelle, die sie im Wasser emporzuheben und wieder nach unten fallen zu lassen schien. Sie hörte zu schwimmen auf und hielt den Atem an. Da sie nichts weiter spürte, nahm sie ihre ruckartigen Schwimmstöße wieder auf.
Jetzt roch der Fisch sie, und die Schwingungen – nun unregelmäßig und heftig – signalisierten Gefahr. Der Fisch begann dicht an der Oberfläche zu kreisen. Seine Seitenflosse peitschte das Wasser, und sein hin und her schlagender Schwanz durchschnitt die glasige Oberfläche mit einem zischenden Geräusch. Zitternde Bewegungen durchliefen seinen Leib.
Zum ersten Mal spürte die Frau Angst, wusste aber nicht, warum. Adrenalin schoss durch ihren Körper, erzeugte prickelnde Hitze und trieb sie an, schneller zu schwimmen. Sie schätzte, fünfzig Meter von der Küste entfernt zu sein. Sie konnte die Linie weißen Schaums sehen, wo die Wellen auf den Strand stürzten. Sie sah die Lichter im Haus, und einen tröstlichen Augenblick lang glaubte sie, jemanden an einem der Fenster vorbeigehen zu sehen.
Der Fisch war etwa zwölf Meter seitlich von ihr entfernt, als er plötzlich nach links drehte, dicht unter die Oberfläche tauchte und – nach zwei schnellen Schwanzschlägen – auf ihr war.
Zuerst dachte die Frau, sie hätte sich das Bein an einer Klippe oder einem Stück Treibholz aufgerissen. Sie spürte keinen Schmerz, nur einen heftigen Ruck rechts unten. Sie griff hinunter, um ihren Fuß zu betasten, trat dabei Wasser mit dem linken Bein, um den Kopf oben zu behalten, und suchte mit der linken Hand in der Schwärze. Sie konnte ihren Fuß nicht finden. Sie griff weiter nach oben – und ein Anfall von Übelkeit und Schwindel überwältigte sie. Ihre suchenden Finger hatten zersplitterte Knochen und zerfetztes Fleisch gefunden. Sie begriff jetzt, dass der warme, pulsierende Strom auf ihren Fingern in dem kalten Wasser ihr eigenes Blut war.
Schmerz und Panik überfielen sie gleichzeitig. Sie riss ihren Kopf zurück und ihrer Kehle entfuhr ein schrecklicher Schrei.
Der Fisch hatte abgedreht. Er schluckte das Bein der Frau, ohne zu kauen. Knochen und Fleisch passierten den riesigen Schlund in einer einzigen Zuckung. Jetzt kehrte der Fisch wieder um, fand sein Ziel in dem Blutstrom, der sich aus der Oberschenkelarterie der Frau ergoss, ein Signalfeuer, so klar und zuverlässig wie ein Leuchtturm in einer wolkenlosen Nacht. Diesmal attackierte er sie von unten. Er stieß mit aufgerissenem Maul unter der Frau empor. Der große kegelförmige Kopf traf sie wie eine Lok, stieß sie nach oben, über die Wasseroberfläche hinaus. Die Kiefer schlossen sich um ihren Oberkörper, zermalmten Knochen, Fleisch und Organe zu Brei. Der Fisch klatschte mit der Frau im Maul und mit donnerndem Getöse zurück ins Wasser, in einem bunten Strahl ergossen sich Schaum und Blut und die Lichter der Nacht.
Unter der Oberfläche schüttelte der Fisch den Kopf hin und her, seine dreieckigen gezackten Zähne sägten sich durch die paar Sehnen, die noch Widerstand boten. Die Leiche fiel auseinander. Der Fisch schluckte, wendete dann, um weiterzufressen. Sein Hirn zeigte immer noch die Signale der nahen Beute an. Das Wasser war mit Blut und Fleischfetzen durchsetzt, und der Fisch konnte Signal von Substanz nicht unterscheiden. Er schoss in der sich auflösenden Wolke von Blut vor und zurück, öffnete und schloss dabei sein Maul – aufs Geratewohl nach einem Bissen schnappend. Doch inzwischen hatten sich die meisten Teile der Leiche verstreut. Einige sanken langsam, landeten auf sandigem Grund, wo sie sich träge in der Strömung bewegten. Ein paar trieben unter der Oberfläche davon, glitten in der Wellenbewegung dahin, die in der Brandung endete.

Fröstelnd erwachte der Mann in der Kälte des frühen Morgens. Sein Mund war klebrig und trocken, und sein Aufstoßen beim Erwachen schmeckte nach Bourbon und Maisschnaps. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber eine rosafarbene Linie am östlichen Horizont zeigte ihm an, dass der Tagesanbruch bald bevorstand. Noch hingen die Sterne blass am heller werdenden Himmel. Der Mann stand auf und zog sich an. Es ärgerte ihn, dass die Frau ihn nicht geweckt hatte, als sie ins Haus zurückgegangen war, und er fand es seltsam, dass sie ihre Kleider auf dem Strand hatte liegen
lassen. Er hob sie auf und ging zurück zum Haus.
Auf Zehenspitzen überquerte er die Veranda und öffnete vorsichtig die Gittertür, er erinnerte sich, dass sie quietschte, wenn sie schnell aufgerissen wurde. Das Wohnzimmer war dunkel und leer, halb volle Gläser, Aschenbecher und schmutzige Teller standen herum. Er ging durch das Wohnzimmer, dann durch die Diele und an zwei geschlossenen Türen vorbei. Die Tür des Zimmers, das er mit der Frau teilte, stand offen und eine Nachttischlampe brannte. Beide Betten waren gemacht. Er warf die Kleider der Frau auf eines der Betten, ging dann ins Wohnzimmer zurück und machte Licht. Beide Sofas waren leer.
Es gab noch zwei weitere Schlafzimmer im Haus. In einem schliefen die Besitzer. In dem zweiten zwei weitere Gäste. So leise wie möglich öffnete der Mann die Tür des ersten Schlafzimmers. Da standen zwei Betten, und in jedem lag offensichtlich nur eine Person. Er schloss die Tür und ging zum nächsten Zimmer. Gastgeber und Gastgeberin schliefen auf getrennten Seiten eines riesigen Doppelbetts. Der Mann schloss die Tür und ging in sein Zimmer zurück, um seine Uhr zu suchen. Es war fast fünf. Er setzte sich auf eines der Betten und starrte auf das Kleiderbündel auf dem anderen.
Er war sicher, dass die Frau nicht im Haus war. Es waren keine weiteren Gäste zum Dinner da gewesen. Sofern sie also nicht jemandem am Strand begegnet war, während er schlief, hätte sie mit niemandem weggehen können. Und selbst wenn sie’s getan hätte, dachte er, hätte sie sich doch wahrscheinlich etwas angezogen.
Erst dann erlaubte er seinen Gedanken, die Möglichkeit eines Unfalls in Betracht zu ziehen. Er ging ins Schlafzimmer des Gastgebers zurück, zögerte einen Augenblick und legte dann dem Schlafenden die Hand leicht auf die Schulter.
»Jack«, sagte er, dessen Schulter tätschelnd. »He, Jack.«
Der Mann seufzte und schlug die Augen auf. »Was?«
»Ich bin’s. Tom. Tut mir schrecklich leid, dass ich dich wecken muss. Aber ich glaube, es ist was passiert.«
»Was ist passiert?«
»Hast du Chrissie gesehen?«
»Wie meinst du das, ob ich Chrissie gesehen habe? Sie ist doch bei dir.«
»Eben nicht. Ich meine, ich finde sie nirgends.«

Zitate

Der Klassiker, die Mutter aller Hai-Romane, Peter Benchleys Roman »Der weiße Hai« gibt es jetzt als Neuübersetzung – und die ist nach wie vor bissig. Aber eben auch mit Romantik und Mafiakram und so.
Bernd Haase, ramp classic Auto.Kultur.Magazin 2/13

Die Vorlage des Filmes ist wie so oft ein grossartiger Roman.
Tanja Kummer, SRF

Der Roman ist seit Jahren vergriffen. Vanessa Wieser – Verlegerin des kleinen, feinen Wiener Milena Verlags – hat ihn jetzt neu übersetzt. Lockerer, frecher als in der alten deutschen Fassung.
Peter Pisa, Kurier

Es geht um eine existenzielle ökonomische Krise und insofern ist Benchleys Roman 40 Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen überraschend aktuell.
Florian Schmid, Neues Deutschland

Denn wem der Film gefallen hat, der wird die Buchvorlage von „Der weiße Hai“ geradezu verschlingen (sorry, der musste sein).
Tina Manske, CulturMag.de

Ein Klassiker mit Bisskraft Christoph Hartner, Kronen Zeitung

Es geht um eine existenzielle ökonomische Krise und insofern ist Benchleys Roman 40 Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen überraschend aktuell.
Florian Schmid, Neues Deutschland

Wer Peter Benchleys originalen Roman liest, erkennt, dass dieser viel mehr ist als die Horror-Verfilmung.
Wiener Zeitung

"Der weiße Hai" ist ein scharfes, leise satirisches Portrait einer Gesellschaft in Panik - und natürlich ein Roman zum Verschlingen.
Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung

Rezensionen

2014-03-19 - freitag
Monster aus der Tiefe
Florian Schmid über Peter Benchleys "Der weiße Hai"
http://www.freitag.de/autoren/florian-schmid/1974-monster-aus-der-tiefe

2014-01-22 -
Plastische Figuren, spannende Geschichte, faszinierendes Tier
Tina Manske über Peter Benchleys "Der weiße Hai"
http://culturmag.de/rubriken/buecher/peter-benchley-der-weisse-hai/78500

2013-11-28 - SRF Radio
You're gonna need a bigger boat
Tanja Kummer über Peter Benchleys "Der weiße Hai"
http://m.srf.ch/sendungen/buch-tipp/you-re-gonna-need-a-bigger-boat

2013-11-11 - Kurier
Dann war da noch dieser Fisch.
Peter Pisa über Peter Benchleys "Der weiße Hai"
http://kurier.at/kultur/literatur/der-weisse-hai-dann-war-da-noch-dieser-fisch/35.022.828

Top