303 Seiten/ Hardcover

€ 19.50

ISBN 3-85286-023-7

Luisa Valenzuela

Offene Tore

Geschichten aus Lateinamerika

Übersetzt aus dem Argentinischen-Spanisch von Erna Pfeiffer

Erfrischend ketzerisch und doch merkwürdig selbstgenügsam muten uns die Geschichten Luisa Valenzuelas an, die scheinbar so unvereinbare Gebiete wie Mythos, Politik und Humor zu einem Cocktail voller Esprit mixt. Das "Rezept": ein Schuss (dies durchaus in makabrer Zweideutigkeit gemeint) "Argentina-Bitter", vermengt mit einem gerüttelten Maß feministischer Ironie, darüber eine Prise südamerikanischen Lokalkolorits in Sprache und Ambiente, und nicht zu vergessen das nötige Quäntchen schwarzen Humors.

„Lola hat dich angerufen, sie sagt, sie ist mit den Kindern im Restaurant, sie vermissen dich, sie warten auf dich.“
Doch Juan wollte nichts von Ausschweifungen wissen: Jegliche Zerstreuung konnte ihn die Schärfe seiner Sinne verlieren lassen, und er brauchte sie wachsam, scharf, aufmerksam, geschliffen, um ein vollkommener Zensor zu sein und den Betrug zu entlarven. Seine Arbeit war wirklicher Dienst am Vaterland. Selbstlos und edel. Sein Papierkorb mit den verurteilten Briefen wurde bald der vollste, aber auch der subtilste der gesamten Zensurabteilung. Er war drauf und dran, stolz auf sich selbst zu werden, drauf und dran zu erkennen, dass er endlich seine wahre Bestimmung gefunden hatte, als sein eigener Brief an Mariana in seine Hände geriet. Es war nur natürlich, dass er ihn ohne Bedauern verurteilte. Und nur ebenso natürlich, dass er unausweichlich beim nächsten Morgengrauen hingerichtet wurde – ein Opfer seiner Hingabe an die Arbeit.

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