258 Seiten, Broschur mit Fadenheftung

€ 18.90

ISBN 978-3-85286-231-6

Als E-Book in allen einschlägigen Stores erhältlich.

Fabian Faltin

Sag Ja zu Österreich

Berlin, das zehnte Bundesland Österreichs? Fabian Faltin komponiert eine Symphonie von unwiderstehlichem Witz und Verve.
Mit Cameo-Auftritten von Karl-Heinz Grasser, Erwin Pröll, Peter Weibel, Christina Stürmer, Mirjam Weichselbraun u. v. a.

Jakob Hartweger, Conny Götzlbacher und Rolf von Raulick leben als Auslandsösterreicher im viel gerühmten Berlin. Die Stadt ist toll, eine Idee jagt die andere, Kreativität ist fast Norm. Überfordert von der deutschen Hipster-Metropole hängen alle drei ihr Kurzzeit-Exil nach einem Jahr wieder an den Nagel und kehren zurück nach Österreich.

In der Heimat müssen sich Jakob, Conny und Rolf reassimilieren, jeder geht fortan seinen eigenen Weg.
Es entspinnen sich drei ebenso packende wie kuriose Geschichten: Der adelige Ralf zieht in das bezaubernde Familien-Bootshaus am See, im Schatten einer nie stattgefundenen Nazivergangenheit. Auf Conny warten familiäre Versöhnung, die Liebe zu einem Installateur und eine Drillingsgeburt im bodenständigen Niederösterreich. Jakob verschlägt es beruflich in eine lukrative, parteinahe Werbeagentur am Rande eines Nobelvororts – und der politischen Legalität.

Fabian Faltin erzählt eine Saga von Format. Nebenher entfaltet dieses akribisch recherchierte Buch ein neues, liebevoll provozierendes und dabei durchwegs positives Heimatgefühl.

Conny erwachte, irgendwo, genau, Niederösterreich. Speckige fichtenhölzerne Jugendmöbel, ihr altes Kinderzimmer noch ganz im Dunklen. Nur das Fenster war neu, war in ihrer Abwesenheit ausgetauscht worden: dicker weißer Kunststoff, luftdicht, beschlagen an den Rändern, von ihrem nächtlichen Atem und ihren Träumen.
Sie drehte sich nicht weg. Sie versuchte hindurchzusehen. Sah blasse graue Wolkenfetzen, darunter eine zerklüftete Schwefeldämmerung.
Sie drehte sich nicht weg.
Begann ausgerechnet an Benjamin zu denken, der damals einfach so verschwunden war. Benjamin mit seinen blöden Hipster-Witzen, seiner Berliner Eitelkeit, seinem Ehrgeiz! Conny konzentrierte sich eine ganze Weile auf dieses eine Wort: Ehrgeiz. Den hatte sie bestimmt nicht, nicht wie Benjamin, wie Kuni, wie Chris und Johanna.
Sie hatte aber eine Richtung, trotz allem. Eine innere Orientierung, einen fixen Pol, an die sie ihr Gefühlskompass pausenlos erinnerte, immer in diese Richtung, dort, Conny, dort!
Welche Richtung das war, woher plötzlich die gefühlte Sicherheit kam, nach jahrelangen Umwegen und Abwegen, konnte sie bei bestem Willen nicht sagen. Musste sie auch nicht; sie musste auch nichts mehr tun oder unternehmen, keinen Aufbruch mehr wagen, nach Berlin oder sonst wohin. Sie war hier, angekommen, in Niederösterreich, ganz einfach. Hier begannen sich ihre noch vorhandenen Lebenskräfte ganz von selbst neu zu organisieren. Sie kanalisierten sich, tief drinnen. Sie zeichneten eine dünne, aber umso deutlichere Leuchtspur durch Connys dunkle Gedankenwelten, verwirrte Gefühle und ängstlich kauernden Organe. Von Minute zu Minute wurde ihre intuitive Ahnung einer Richtung stärker und wand sich, unbeirrbar wie eine Goldader, durch ihren verschlafenen Körper.
Hier lag sie also, hier, in ihrem alten, abgekratzten Jugendbett – sie lag ganz richtig! Sie sprach es laut aus, sicherheitshalber: »Richtig, richtig. Hier liegst du richtig, Conny. Richtig, ja.«
Ein oranger Streifen erschien am Himmel. Raben krähten. Verzeinzelte Autos manövrierten im Dorf, rauschten davon über nassen Straßensplitt; Michelhausen in die eine Richtung, Krems, Tulln, Wien in die andere.
Auch ohne einen Gott, befand Conny, hatte dieser Himmel etwas Himmlisches: fahl leuchtende Schichten von Licht und färbiger Energie und trübem, grauem Gewölk.
Darunter das Tullnerfeld.
Die Wände ihres Kinderzimmers wurden immer gelber, sattes Sonnengelb, auch wo keine Sonne war. Conny spürte etwas Festliches daran hochsteigen, wie kirchlicher Kerzenschein und Weihnachten; oder warmes Frühstücksgebäck, worauf sie große Lust hatte.
Dazu eine Schale Uncle Ben’s!
Ja, mit frischem, echtem österreichischem Schlagobers!
Dabei Zusammensitzen am großen Küchentisch, mit ihrem jüngeren Bruder Pauli und seiner Sandra, gelernte Buchhalterin. Und Leonie, Connys kleine, sechsmonatige Nichte, die sie erst jetzt langsam kennenlernte. Heute musste sie Leonie wieder zur Krabbelgruppe bringen, weil sie im Wirtshaus derzeit nur im Weg stand und sonst ja auch nichts arbeitete, hackelte!
Und: ihre Eltern, die ja auch noch lebten.
Noch.
Sie dachte sich zurück, in den gestrigen Abend, die gespenstische Ruhe im Zimmer, die in ihren Ohren gedröhnt hatte. Sie sah sich selbst, eine Schlafwandlerin, die auf den Schreibtisch geklettert war, in einer Nacht- und Nebelaktion. Sah die leere Wand über dem Schreibtisch, eine unangenehme, flirrende Leere, genau dort, wo ihr Kreuz seit eh und je gehangen war, bis gestern . . .
Ein dickes, glattes Eichenkreuz, zum Glück ohne Korpus – nur viele, kleine Regenbogenkringel, selbst mit Lackstift aufgemalt, damals, in der Jungschar!
Furchtbar!

Zitate

Amüsant und politisch brisant - ein gewitztes, sowohl mit der Tradition der Anti-Heimatliteratur als auch der Tradition der Heimatliteratur kokett spielendes Buch.
Katja Gasser, ORF Kultur

Rezensionen

2013-03-22 - ORF
Heute Mittag, ORF 2
Katja Gasser über Fabian Faltins "Sag Ja zu Österreich"
http://youtu.be/m8Rz9gMvbUs

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