234 Seiten
Klappenbroschur

€ 18.00

ISBN 978-3-903184-05-3

Maximilian Zirkowitsch, Vanessa Wieser

DONALD TRUMP LITERATURWETTBEWERB

2017 ruft Donald Trump zu einem Literaturwettbewerb auf, dieses Buch versammelt die von seiner fachkundigen Jury ausgewählten besten Texte. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Satire!

Was wäre wenn … sich die Kunst an das Niveau populistischer Politiker anpasste? Trump, Strache, Orbán, Le Pen – Leute, die darauf stolz sind, keine Bücher zu lesen und auch von Bildung nicht viel halten. Was wäre wenn … solche Leute auch in den Kunstjurys säßen und fortan bestimmten, was gute Kunst ist? Die Herausgeber dieses Bandes von „Bad-Taste“-Geschichten vertreten die Ansicht, dass ein rechter Zinnober dabei herauskäme, demgemäß versammelt der launige Erzählband literarische Missgriffe, die normalerweise nicht publiziert würden.
Austrofred, Tex Rubinowitz, Michael Ziegelwanger, Christopher Just, Sebastian Huber, Peter Zimmermann, Wolfgang Pollanz, Sebastian Klug, Marc Carnal, Manfred Gram,Clemens Haipl, Mareike Boysen, Dominika Meindl, Peter Waldeck, Phils Collin, Alf Peherstorfer, Metka Wakounig und weitere Meister der Satire begeben sich in erzählerische Untiefen, persiflieren Genres und berühmte Werke, greifen tief in die stilistische Übertreibungskiste und versuchen es, einem Geistesmenschen wie Trump recht zu tun. Es darf gelacht werden.

Ich hatte es mir bereits relativ bequem gemacht auf meinem Fensterplatz in der Maschine von Washington nach Münster. Am nächsten Tag würde ich ein teures Kunstwerk des recht berühmten Malers Rembrandt (1606–1669) der wohltätigen Organisation DelphiCare stiften, die kranke Delphinen heilte, denn ich fand, dass man auch diesen helfen musste.
Ich habe in meinem Leben schon viel Gutes getan und sehr viel Geld an verschiedene Hilfsprojekte gepumpt, zum Beispiel für Afrikaner oder Löwen, um nur einige zu nennen, denn ich fand schon immer, dass Wohlstand auch Verantwortung bedeutet, wie ein lieber Freund von mir einmal zu mir gesagt hat. Es handelte sich dabei um den ehrwürdigen Dr. Oskar Bruhn höchstpersönlich, mit dem mich sehr viel Geschäftliches und Privates verbindet.
Deshalb sehe ich es auch noch heute als meine Pflicht, diejenigen zu unterstützen, die sich das selbst nicht leisten können. Aber ich habe das nie an die große Glocke gehangen und empfinde es als absolute Selbstverständlichkeit, zu helfen, sofern ich kann und auch will.
Jedenfalls hatte ich es mir auf meinem Fensterplatz gerade bequem gemacht und mir von der Stewardess eine Coke und das Journal reichen lassen. Ich legte den Sicherheitsgurt um meinen Bauch und versuchte, mich zu entspannen, was mir auch gelang.
Genau in diesem Moment meinte ich doch glatt, ich sehe nicht recht. Obwohl ich mir die ganze Sitzreihe reserviert hatte, setzte sich einfach so ein frecher Backfisch zu mir.
Ich schüttelte den Kopf und sagte »Ts, ts, ts«, jedoch konnte ich nicht wirklich böse sein, denn das junge Ding war wirklich ein heißer Feger.
Und ich hatte in meinem Leben schon so manche Frau gehabt.
»Fräulein, ich sehe wohl nicht recht«, sagte ich mit leider sehr rauer Stimme, denn Primarius Brünnli von der Zürcher Universitätsklinik hatte mich erst kürzlich am Kehlkopf operiert.
Die Kleine antwortete mir gar nicht, sondern blinzelte nur sehr frivol mit ihren langen Wimpern.
Sie schien zu wissen, was einem Gentleman gefällt, das muss-te ich ihr lassen.
Sie überschlug ihre unglaublich langen Beine und biss sich auf ihre roten Lippen – anscheinend hatte sie mit Lippenstift ihre Reize noch zusätzlich unterstrichen. Die Sache war eindeutig.
Ein Mann meines Schlages wusste natürlich sofort, was hier vor sich ging.
Normalerweise hätte ich auf ihre Avancen sofort die richtige Antwort gewusst, und die konnte nur sehr eindeutig sein und hätte das Flugzeug womöglich zum Absturz gebracht.
Allerdings: Ich musste zuvor unbedingt sichergehen, dass dieses blutjunge Mädchen, das gut und gerne auch ein Mannequin hätte sein können, nicht nur auf mein Geld aus war, denn man kann viel über Frauen sagen, aber viele sind nur auf Geld aus, das musste ich leider am eigenen Leib schon sehr oft erfahren.
Deshalb überlegte ich mir spontan eine List und flunkerte sie an, um sie zu testen:
»Welches Glück ich doch heute habe, junge Frau, dass mich die freundlichen Herrschaften von United Airlines in die Business Class upgegradet haben! Dass ich das noch erleben darf! Ich bin nämlich SEHR arm und mein Leben lang nur Economy geflogen. Leider! Überhaupt bin ich erst dreimal in meinem langen Leben geflogen, weil ich es mir nicht öfter leisten konnte, so arm bin ich!«
Mit Argusaugen musterte ich ihre Gesichtszüge.
War sie erschrocken, neben einem armen Schlucker zu sitzen?
Nein, ich erkannte nichts. Es schien ihr ganz egal zu sein, wie groß mein Besitz war, anscheinend war sie wirklich auf der Suche nach einem Liebhaber, ja womöglich sogar mehr.
Sie öffnete den obersten Knopf ihrer Bluse, die ohnehin schon sehr weit geöffnet war, was wiederum dazu führte, dass ich meinen gestochen scharfen Blick kaum zügeln konnte, doch ich riss mich zusammen. Denn ich wollte sie noch weiter testen.
»Meine Teure, wie alt sind Sie denn, wenn ich fragen darf? Sechzehn? Siebzehn?«
Sie nickte, aber nur sehr leicht. Schämte sie sich?
Siebzehn!
Das war wirklich jung.
»Ich könnte Ihr Urgroßvater sein«, deutete ich mein wahres Alter an, doch sie war nicht beeindruckt und öffnete noch einen Knopf ihrer Bluse, was dazu führte, dass ich alle Kraft dafür aufwenden musste, um meine kräftigen Hände im Zaum zu halten, was bei diesem Topmodell wirklich nicht einfach war, doch es gelang mir letztendlich.
Eines musste ich auf jeden Fall unbedingt noch wissen.
»Junge Frau, gibt es denn keinen Mann, der auf Sie wartet?«
Bei aller Liebe, aber falls sie bereits vergeben war, musste ich wohl meine Finger von ihr lassen.
Sie sagte nichts.
Gut, das war auch eine Antwort. Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Aus der Geschichte: „Der 93-jährige, der in das Flugzeug stieg und seine große Liebe fand“
von Marc Carnal (2. Platz Donald-Trump-Literaturwettbewerb in der Kategorie „Humanität“).

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