ca. 400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Erscheint im April 2019



€ 24.00

ISBN 978-3-903184-31-2

David Bröderbauer

WOLFSSTEIG

Als der Truppenübungsplatz in Wolfssteig aufgelassen wird, werden die vielfältigen Hoffnungen der Bewohner zum Leben erweckt. Die Verhandlungen und Streitereien beginnen – wird das Land privatisiert, kommt ein Asylheim oder wird aus dem riesigen Grundstück ein Nationalpark? In diesem tragikomischen Provinzdrama treffen moderne Themen des dörflichen Lebens auf wunderbar intensive und fachkundige Naturschilderungen.

Der Truppenübungsplatz Wolfssteig im Waldviertel wird aufgelassen. Jetzt beginnt das Ringen um die Zukunft des Grundstücks. Ein Biologe, Ulrich, streift durch das Gelände und zählt die seltenen Birkhühner, er trägt den Plan für einen wunderbaren Nationalpark im Kopf. Ein ehemaliger Wehrdiener, Christian, versucht den Neustart als Hausmeister in der Kaserne, die bald Flüchtlinge beherbergt. Und die Nachfahren der Enteigneten fordern ihre alte Heimat zurück, die 1939 zum Sperrgebiet wurde, als viele Dörfer geräumt und Menschen vertrieben wurden, um Hitlers Truppenübungsplatz Platz zu machen. Blind verfolgen die Widersacher ihre Ziele, und rasch geraten die Fronten durcheinander. Zuletzt fliegen auf dem Truppenübungsplatz Wolfssteig die Funken.

David Bröderbauer erzählt davon, wie auf der Suche nach einem festen Bezugspunkt die Orientierung verloren geht. Dieser Gegenwartsroman überzeugt durch seine intelligente Handlung und die wunderbaren Naturschilderungen in der Tradition von Henry David Thoreau.


„An den übungsfreien Tagen durchstreiften die Tiere das Sperrgebiet ohne Scheu. Dermaßen viele Arten aus den unterschiedlichsten Gattungen und Familien lebten hier, dass man das Militärgelände den heimlichen Nationalpark des Landes nannte. Mit seinen weiten, von bewaldeten Hügeln gesäumten Grasflächen erinnerte das Areal an eine Landschaft aus der Eiszeit. Rehe ästen im hohen Gras, Mufflons bevölkerten die Wälder, Wildschweinrotten zogen durch das Territorium, tauchten immer dort auf, wo kein Gefecht zu erwarten war, als würden sie den Schießplan der Heeresleitung kennen. Zahlreiche Vogelarten nutzten das Areal als Rückzugsgebiet. Acht verschiedene Specht-Arten brüteten hier und trommelten gegen den Lärm des Maschinengewehrfeuers an. Wurde für längere Zeit nicht geschossen, sah man sie auf den Zweigspitzen der Fichten sitzen, wo sie nach Gefahren Ausschau hielten. Ein besonderes Schauspiel boten die Sommernächte, wenn Abertausende Glühwurmmännchen auf der Suche nach den Blinksignalen der Weibchen ihre grünen Bahnen zogen. Diejenigen Rekruten, die ihren Präsenzdienst am Truppenübungsplatz Wolfssteig im Sommerhalbjahr absolvierten, vergaßen den Anblick ihr Leben lang nicht.“

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