200 S., Klappenbroschur

€ 17.90

ISBN 978-3-85286-179-1

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Bernhard Moshammer

Zeit der Idioten

Jessasmarandjosef! Der Wiener hat ja praktisch keine Ahnung vom Terrorismus. Absurder Witz trifft auf reale Krise ... bis es 8-mal knallt.

Schräge Komik, beißende Gesellschaftskritik, die Liebe zum Rock’n’Roll und die Suche nach DEM Song verbinden sich zu einem ungewöhnlichen Leseabenteuer.

Sturm auf der Insel der Seligen. Aber das Leben ist kein Film.
Trotzdem in Nebenrollen: Bob Dylan und Johnny Cash

Wien im Explosionstrauma: Acht Rucksackbomben waren es bisher, die das Land in Angst und Schrecken versetzten. Die österreichischen Rucksackbomber sind aber keine religiösen oder politischen Fanatiker, ihre Motive sind eigennützig und alltäglich.
Bölling: ein kleines Kaff in der niederösterreichischen Provinz. Ruhe, Idylle und Normalität bestimmen den Alltag – wenn da nicht ein paar schwarze Schafe wären.
Cornelius Fink, erfolgloser Songschrei­ber, hat als Einziger den ersten Anschlag bei einem Rockkonzert überlebt. Das verändert sein Leben von Grund auf: Er zieht zurück in seinen Herkunftsort. Zunächst scheint ein normales Leben in Bölling möglich, er gewöhnt sich an seine Vatergefühle, sogar der Liebe scheint er dort zu begegnen. Und Cornelius wittert eine einmalige Chance: Seine schlagartige Berühmtheit und der neue Song „Zeit der Idioten“ sollen ihm zum Durchbruch verhelfen.
Doch das Leben ist kein Film und Cornelius schlittert immer tiefer in den Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und seinen Träumen. Die Ereignisse überstürzen sich, Cornelius hat lange genug gegrübelt. Es ist Zeit zu handeln.



Manchmal wünschte ich, ich wäre nie weggegangen aus Bölling. Wenn man sich Bölling ganz hingibt und unterwirft, könnte es sicher paradiesisch sein. Aber was soll ich sagen, Unterwerfung und totale Hingabe setzen Phänomene wie Ruhe, Selbstlosigkeit, Genügsamkeit oder Zufriedenheit voraus, und die sind mir so fremd wie einem Terroristen die Nächstenliebe. Womit wir schon beim Thema wären – ich bin der Mann, der überlebt hat, und ich befinde mich gerade im Gegenteil von Bölling.

Kurz vor Mitternacht habe ich meinen alten Walkman genommen und bin hierher gelaufen. Die letzte U-Bahn ist um fünfzehn nach durchgefahren. Ich bin dann runter auf die Geleise, ein Stück gegangen und habe mich im Tunnel versteckt. Das hat funktioniert. Verrückt, oder? Aber das hier ist Wien und nicht New York. Immer schön gemütlich, meine Herrschaften. Die haben ihre Kontrollrunden gedreht, ich hab einfach die Luft angehalten. Ich könnte einfach den blöden Stephansdom in die Luft jagen, wenn ich auch so ein Idiot wäre. Bin ich aber nicht. Ich habe mich für den Stephansplatz entschieden, weil es in dieser U-Bahnstation stinkt, als ob Leichen unter den Rolltreppen oder in den Wänden eingemauert wären. Und ich habe mir gedacht, dass das Ganze dann wenigstens einen Sinn hätte. Ich würde also so, indem ich eins werden würde mit dem Gestank dieser Stadt, der Welt zu ein bisschen mehr Sinn verhelfen. Also jetzt ganz ehrlich, das Selbstmitleid ist die unterste Stufe der menschlichen Wahrnehmung, was meint ihr? Die unterste Stufe, ganz sicher.

Zitate

Ein freches, feines Buch – Rockmusik zwischen zwei Deckeln. Hoffnungsvoll hoffnungslos auf der Suche nach der richtigen Liebe, dem richtigen Song, dem richtigen Leben – zwischen Wien und St. Pölten, Selbstmordattentaten und Schotterteichen. Zutiefst traurig, zutiefst komisch, weil der Blues eben auch aus Österreich kommt. Und „Jessasmarandjosef“ sein Refrain ist ...
Barbara Rett

Rezensionen

2011-05-23 - ORF Kulturmontag
Bernhard Moshammer im Gespräch
Bernhard Moshammer liest aus "Zeit der Idioten" und spricht über Bob Dylans Einfluss.
http://youtu.be/JwJb1nvJEtQ

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