180 S., Klappenbroschur

€ 14.90

ISBN 978-3-85286-186-9

Markus Köhle

Dorfdefektmutanten

Ein Heimatroman

Hereinspaziert, hereinspaziert und herzlich willkommen im Raststadel!
Machen Sie es sich bequem, genießen Sie den Rustikalschick auf dem Dorf, fühlen Sie sich wie zu Hause zwischen Tourismus und Transit, Bürgermeisterschnapsideen und Rauschkindern.

Dorfdefektmutanten ist ein moderner Heimatroman und knackiger Entwicklungsroman – ansässig in den Schauplätzen der Tiroler Provinz und der Großstadt Wien.

Der Held des Romans wohnt im Dorf, lebt im Internet, seine Sozialkompetenz ist hager; gleichermaßen lechzend wie verzweifelt jagt er seinen Erinnerungen hinterher und fördert dabei Mühl- und Edelsteine zutage.

Kindheit, Jugend, Freundschaften, erste Verliebtheit – all das, samt Glück und Schmerz, erfährt unser Ich-Erzähler auf dem Dorf. Nach einigen Jahren des Studentenlebens in der Bundeshauptstadt kehrt er in seinen Heimatort zurück, arbeitet fortan als Hausmeister in einem Autobahnraststadel und begegnet natürlich der großen, großen Liebe.

In den Tiroler Bergen geht es dauerfröhlich zu, hier wird es zünftig, hier werden Sie sich wohl und wie zu Hause fühlen. Denn: „Raststadel verpflichtet“ und daheim ist es immer am schönsten, wenngleich es dort auch mitunter deftig drunter- und drübergeht.

Ein quietschvergnügter und kluger Roman über die Nöte des Erwachsenwerdens und die Freuden des Erwachsenseins.

Defektmutant: Tier, das durch das Zuchtziel bedingte oder damit verbundene Schmerzen, Leiden, Schäden, Ängste oder andere Verletzungen seiner Würde aufweist. Es können herkömmlich gezüchtete oder gentechnisch veränderte Tiere sein. (Schweizer Tierschutzverordnung)

"Dorfdefektmutanten" ist ein postmoderner Heimatroman, reich an Zitaten und intertextuellen Verweisen, gespickt mit Lexikons- und Populärkulturwissen und voll von Markennamen, wie man es etwa aus Bret Easton Ellis‘ American Psycho kennt.

Einmal habe ich auch schon mit Claudia geknutscht. Es war als Klaus und Claudia Absinth entdeckten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich daran erinnern kann, ich jedenfalls werde es nie vergessen. Ich brauche Ablenkung und wende mich Carmen und Sonja zu, die wollen mir Zöpfchen machen. Ich habe nichts dagegen, ich mag es gern, wenn mir wer am Kopf rummacht. Beim Frisör war ich schon Jahre nicht mehr. Die Spitzen schneidet mir Claudia alle drei Monate, unsere intimsten Momente. Ich schneidersitze am Boden. Carmen und Sonja knien vor mir. Carmens Finger teilen mein Haar. Sonjas Brustspitzen streifen mein Ohr. Ich bin erregt und nehme einen Schluck Irgendwas. Klaus geht Claudia unters T-Shirt, sie quietscht. Carmen und Sonja kichern, ich schlucke. Die Zöpfchen werden mit Verschlussdrähten für Gefriersäckchen fixiert. Zehn Zöpfchen sind genug. Bob Marley meint No woman, no cry. Beim Aufstehen habe ich Angst, man könnte meinen Ständer bemerken. Claudia und Klaus kleben noch immer an- und aufeinander. Ich gehe aufs Klo und Bier holen. Klaus zwinkert mir wissend zu.

Zitate

Markus Köhle kommt aus der Poetry-Slam-Szene. "Dorfdefektmutanten" ist dement-sprechend flott und witzig geschrieben. Sein Held liebt das provinzielle Fastnachtstreiben und seine archaischen Masken ebenso wie das Internet, das ihn mit der Welt jenseits der Tiroler Berge verbindet. Seine große Sehnsucht ist aber Marika, die Köchin der Autobahnraststätte.
Dieser literarische Rundumschlag zwischen romantischer Liebesgeschichte, Coming-of-age-Roman und postmoderner Heimatidylle wirft einen ganz neuen und überraschenden Blick auf die österreichische Provinz.

Radio Berlin Brandenburg

Dem Tiroler Markus Köhle gelingt ein heiteres Sprach- und Wechselspiel aus Vergangenheit und Gegenwart, aus pubertierendem Gefühlschaos und den Empfindungen eines introvertierten Heimkehrers.
Falter

Markus Köhle stellt neben der Geschichte des Hausmeisters auch die Machtverhältnisse und die Missstände am Land dar. Geschickt flicht er scheinbar alle sozialen Probleme des Tiroler Provinzlebens in die Romanhandlung ein, ohne dass es überladen wirkt: den Strukturwandel, der Tirol erfasst hat, die Zersiedelung und Zerfransung der Dörfer, das „Quasi-Medienmonopol“ der Tiroler Tageszeitung, Alkoholismus, Migration, Katholizismus, Provinzialität, etc. Wem dies abgedroschen und nur allzu bekannt vorkommen mag, kann beruhigt sein, auch Köhle kennt die Klassiker des „Anti-Heimatromans“, zitiert und parodiert sie. Etwa, wenn er Klaus bei seiner mündlichen Matura über Wolfgrubers "Herrenjahre" und Innerhofers "Schöne Tage" extemporieren lässt, mit Ausblicken zu Jelinek, Menasse oder Norbert Gstrein, ohne eines ihrer Werke gelesen zu haben.
FM4

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