176 S., broschiert

€ 14.50

ISBN 978-3-85286-171-5

Claudia Maria Traint

Im Wendekreis der Waage

Eine Abrechnung mit Schlankheitswahn und Schönheitsindustrie

Der menschliche Körper als Abbild der Gesellschaft? Diäthalten als Kulturtechnik?
Eine Abrechnung mit FDH, Nulldiät, Schlankheitswahn und Gewichtsphobien.

„Ich hab’ dich zum Fressen gern.“, „Das kotzt mich an!”,
„So einfach lasse ich mich nicht abspeisen.”
Unser Sprachgebrauch zeigt deutlich, wo und wie sich Gefühle ausdrücken.
In den westlichen Industrieländern hat Essen die Primärfunktion des Hungerstillens verloren, Nahrungsmittel sind uneingeschränkt verfügbar. Die Kluft zwischen strengem Schönheitsideal und einer starken Konsum- und Genussorientierung wird zusehends größer und nimmt der Nahrungsaufnahme ihre Selbstverständlichkeit.
Als Folge davon zeichnen sich bei vielen Mädchen und Frauen massive Essstörungen ab. Das „Idealgewicht” entfernt sich immer weiter vom medizinisch vernünftigen Normalgewicht. Diäthalten gilt heute als Kulturtechnik, die von Zeitschriften regelrecht beworben wird; Gewichtsphobie und Schlankheitswahn sind die bedrohlichen Folgen.

Dieses Buch bietet einen Überblick über diverse Essstörungen und lenkt den Blick von bereits bekannten Formen wie Bulimie oder Magersucht, besonders auf gesellschaftlich noch nicht anerkannte Krankheitsformen mit Übergewicht (Binge Eating Disorder, Adipositas).

Neben einer Analyse der zentralen Rolle der Printmedien wendet sich die Autorin den Präventionsmaßnahmen zu. Sie analysiert den gesellschaftlichen Willen zur Aufklärung über Essstörungen und deren psychischen wie soziologischen Hintergründen in der heutigen Konsumgesellschaft. Körperdarstellungen bzw. Körpersymbole können nicht ohne gesellschaftliche Dimension gesehen werden.

„Obwohl Fastenheilige, Wundermädchen, Hungerstreikende und Magersüchtige sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Alle verfügen über relativ wenig Machtinstrumente. Die Selbstaushungerung ist ein solches. Fasten als Mittel zur Selbstbestimmung in einer Welt, die wenig Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die psychischen und körperlichen Verwundungen sind kein geringer Preis für den Kampf um Autonomie.“

„Ganz schlimm ist es für Frauen, die jahrelang mit und durch Gruppenmotivation abgenommen haben. Kaum treten sie aus der Gruppe aus, fallen sie allmählich wieder in alte Essgewohnheiten zurück oder leben in panischer Angst vor jedem Zusatzgramm. So oder so – ein Leben mit konstantem Essterror. Essstörungen, die zu mehr oder weniger massivem Übergewicht führen und deutliche Suchtsymptome zeigen, weisen also auf einen vor allem bei Frau auftretenden Problemkreis hin.“

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