184 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Abbildungen

€ 17.90

ISBN 978-3-85286-191-3

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Elisabeth Markstein

Moskau ist viel schöner als Paris

Leben zwischen zwei Welten

Aus den Kindertagen einer „geborenen“ Kommunistin hin zu glücklichen Zeiten in Moskau und der Rückkehr in ein fremdes Nachkriegs-Österreich.

Elisabeth Markstein, die Tochter von Hilde und Johann Koplenig gehört in den Jahren des Moskauer Exils zu den berühmten Lux-Kindern. Als Kind politisch aktiver Eltern muss sie in verschiedensten Ecken Europas ein Zuhause finden. Ihre Eltern sieht sie in den ersten Jahren kaum.

Die Exiljahre sind trotz oder gerade wegen des Kriegs von großer Solidarität und Freundschaft geprägt. Sie lernt in der Emigration Moskau lieben und muss sich nach 1945, als Tochter des ersten Vizekanzlers der provisorischen Österreichs in einem fremden Wien zurecht finden.

Markstein erzählt auf eindringliche Weise nicht nur von den Kindertagen einer geborenen Kommunistin, sondern auch von Schicksalen jenseits familiärer Bande. Sie erinnert an die Zeiten des Prager Frühlings, an politische Hoffnungen im Osten wie im Westen. Sie erzählt von Begegnungen mit Chruschtschow und Molotow, Josif Brodski oder Constantin Costa-Gravas, von innigen Freundschaften wie jener zu Heinrich Böll und schwierigen Arbeitsverhältnissen wie mit Alexander Solschenizyn. Es gelingt ihr eindrücklich, ihre beeindruckenden Weggefährten auferstehen und uns an ihrem politisch wie literarisch aufregenden Leben teilhaben zu lassen.

Diesen Mai habe ich miterlebt. Nicht den Victory Day des Westens, den 8. Mai, als bei Kämpfen um Prag noch sowjetische Soldaten starben, sondern den 9. Mai, den Siegestag der Roten Armee, die endgültige Kapitulation Deutschlands. Beinahe wäre es ein gemeinsamer Siegestag geworden, wäre da nicht die Zeitverschiebung.
Wir waren in der Schule, als wir es erfuhren, seit Tagen wartete alles darauf. Ohne uns abzusprechen, ohne um Erlaubnis zu fragen, stürmten wir ins Freie. Wohin? Zum Roten Platz. Irgendwie sitzt in meiner Erinnerung das – unmögliche – Bild, dass auf den Straßen überhaupt keine Autos waren. Nur Menschen, die über die Fahrbahn zogen, ohne Fahnen, ohne Plakate, ohne Parolen, keine geordnete Demonstration, bloß singend; nur Menschen, viele Frauen, wenige Männer, alte, junge, die sich die Hand reichten, sich beieinander einhakten, einander umarmten, ohne einander zu kennen. Männer in Uniform wurden hochgeworfen, Invaliden wurde Spalier gemacht, auch sie waren dabei mit ihren jämmerlichen, selbstgebastelten Wägelchen und Krücken. Freude und Trauer vermischten sich zu dem einen gemeinsamen Fühlen: Es ist vorbei! Ich habe nie wieder so etwas erlebt, eine derart offene, aufgewühlte und solidarische Menge. Jetzt kommen andere Zeiten.

Rezensionen

2010-05-28 - Presse Spectrum
»Lisa, Liska, Lísotschkas«
Erich Hackl über Elisabeth Marksteins »Moskau ist viel schöner als Paris«
http://diepresse.com/home/spectrum/literatur/569882/index.do

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