180 S., gebunden

€ 17.90

ISBN 978-3-85286-177-7

Hilde Spiel

Rückkehr nach Wien

Ein Tagebuch

Hilde Spiels literarisches und persönliches Dokument
der österreichischen Nachkriegszeit.

Hilde Spiel war eine der vielseitigsten Schriftstellerinnen und Essayistinnen des 20. Jahrhunderts, die „Grande Dame der Österreichischen Literatur“, deren Werk und Wirken sich auf nahezu alle Genres erstreckte.

Hilde Spiel hat Wien 1936 – auf den beginnenden Nazi-Terror reagierend – verlassen und sich eine neue Existenz in London aufgebaut. Zehn Jahre später kehrte sie als Nachkriegskorrespondentin der Zeitschrift „New Statesman“ nach Wien zurück und hielt ihre Beobachtungen und Gedanken in Tagebuchaufzeichnungen fest.

Das Buch ist als Wiederentdeckung ein Erlebnis sowie Pflichtlektüre für alle weiteren Generationen.
Mit einem Vorwort von Daniela Strigl.

Der Prater, ein anderes Wahrzeichen des großen bürgerlichen Jahrhunderts. Von allen Freuden meiner Kindheit wollte ich diese eines Tages meinen Kindern bieten. Aber weder der amerikanische Wunschtraum noch meine eigene Wirklichkeit des Praters läßt sich in der Wildnis aufspüren, die an seine Stelle getreten ist. Granatenbeschuß und ein Brand, der im Holz und Farblack der Buden ungehindert wüten konnte, haben ihn vom Erdboden vertilgt, als hätte er niemals existiert. Der grauenhafte, unvergeßliche Anblick des Erdbebens von Lissabon ist zur Wahrheit geworden. Der Vergnügungspark ist durch eine Wüste verkohlter Balken und verkrümmter Eisenträger ersetzt, über die das Riesenrad, verbogen und ohne Waggons, in schmerzlicher Einsamkeit hinausragt. Ich steige aus dem Wagen und mache ein paar Schritte durch den frischgefallenen Schnee. Die Toten, stand kürzlich irgendwo, sind uns so gründlich entzogen, daß es nicht darauf ankommt, ob sie gestern oder vor tausend Jahren gestorben sind. Hier, auf dem Friedhof des Praters, komme ich mir vor wie in Pompeji.

Zitate

Es war höchste Zeit, und es scheint notwendiger denn je, dass dieses persönliche Dokument der österreichischen Nachkriegsgeschichte wieder stärker ins Bewusstsein rückt. Bleibt nur zu hoffe, dass es auch jene lesen, die sich zu wenig mit Geschichte befasst haben und daher Gefahr laufen, sich von Rattenfängern einfangen zu lassen.
Kleine Zeitung

Obwohl 1946 niedergeschrieben, gab Hilde Spiel dieses Tagebuch, berührendens Wien- und scharfsichtiges Selbstportät in einem, das sie selbst zu diesem Zweck ins Deutsche übersetzt hatte, erst 1968 zur Publikation frei. Da lebte sie bereits seit einigen Jahren wieder in Wien. Jetzt hat der Milena Verlag dieses große kleine Werk, das der Autorin in England sogar das Kompliment eintrug, sie sei der "weibliche Proust aus Wien", neu herausgebracht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hilde Spiel gelingt es, ihre widerstreitenden Gefühle und Gedanken mit großer Präzision zu analysieren. So entstand eine sehr persönliche Mischung aus zeitgeschichtlichem Dokument und autobiografischem Fragment.
bn – bibliotheksnachrichten 4/2009, geschrieben von Renate Langer

Selten konnte man so berührend, so kritisch, so nah und so liebevoll über ein Wien lesen, das sich äußerlich doch als hässlich und bluttriefend zeigte.
Xtra, Nr.23 (10. September – 18. Oktober)

Das Buch sollte von all jenen gelesen werden, die meinen, es müsse doch endlich Schluss sein, und es wäre nett, in den Kanon der Pflichtlektüre für Schulen aufgenommen zu werden. Ein gut geschriebenes, eindringliches und aufwühlendes Buch.
AEP Information – Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, Nr. 3/2009, geschrieben von Monika Jarosch

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