220 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Leseband
Erscheint Februar 2022

€ 22.00

ISBN 978-3-903184-87-9

Franziska zu Reventlow

Herrn Dames Aufzeichnungen

Eine frühe Satire über Aberglauben, Magie und freie Liebe. Franziska zu Reventlow lässt einen jungen Mann nach München kommen und in den Kreis der Kosmiker eintreten. Eine bunte Mischung aus vergangenen Kulturen und Welttheorien bestimmt deren Denken und ausschweifende Feste. Dame verliebt sich, Dame ist fasziniert, aber am Ende der Faschingszeit ist der Spuk vorüber.

Ein junger Mann aus Berlin namens Dame fährt nach München und trifft dort auf die Schwabinger Künstler-Bohème. Dame fühlt sich literarisch berufen und möchte das Wichtigste über den Stadtteil „Wahnmoching“ aufzeichnen. Er wird zum Chronisten der Treffen einer überspannten Intellektuellengruppe, der „Kosmiker“. Diese sind auf der Suche nach dem Sinnesrausch, der Orgie, dem „Heidnischen“, modernem Hetärentum, nach „dionysischen Festen mit rasenden Tänzen“ – und darin liegt auch die Hoffnung in den Stadtteil Wahnmoching. Ihre geistigen Anführer sind Hofmann, Delius und Halling – hinter diesen Namen verstecken sich die historischen Persönlichkeiten des Karl Wolfskehl, des Mysterienforschers Alfred Schuler und des Philosophen Ludwig Klages. Auch den Dichter Stefan George und Franz Hessel verstehen die Theorien und Sehnsüchte zu faszinieren.
Man trifft sich, man diskutiert, man fabuliert, man feiert, man liebt, es herrscht Faschingszeit und die Ekstase kennt noch keine Grenzen. Am Ende der Faschingszeit – am Aschermittwoch – jedoch herrscht Katerstimmung, der kollektive Rausch ist beendet, fast alle Mitglieder der Gruppe sind erschöpft und zerstritten.
Der Roman erschien erstmals 1913.

„Das Fest begann mit einem feierlichen Umzug, voran schritt eine Bacchantin, die ein ehernes Becken schlug, dann kam Dionysos mit seinem goldenen Stab, ihm folgten der Caesar und eine in Schwarz gehüllte Matrone. Wer in antikem Gewand war, folgte, die Übrigen blieben auf der Seite stehen. Denn viele waren auch anders kostümiert – Renaissance, alte Germanen oder orientalisch. Der arme Georg, Marias Rechtspraktikant, der durch die Eckhäusler eingeladen worden war, hatte den Charakter des Festes entschieden nicht begriffen, er war als Pierrot gekommen und es war ihm dann sehr unbehaglich.“


  • Der Kosmiker-Kreis hat den Ruf Schwabings als Künstlerviertel mitbegründet und übte Einfluss auf die Bohème des Fin de siècle bis hin zur heutigen Esoterikszene aus.

  • Herr Dame ist in Susanne verliebt, hinter der sich keine Geringere als die Autorin selbst verbirgt.

  • Die renommierte Reventlow-Biografin Kerstin Decker verfasst ein informatives Nachwort.

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